“Mitarbeiter” oder die Untertanen im modernen Feudalismus
(2007)
von Harald Wozniewski
1. Einführung
In der Öffentlichkeit werden - gerade in Zeiten höchster Arbeitslosigkeit - die Meudalherren (und -frauen) regelmäßig hoch gelobt und gefeiert, weil sie sehr vielen Menschen “einen Arbeitsplatz geben”. Es sind nicht Hunderte, sondern regelmäßig Tausende, die im Unternehmen eines einzigen Meudalherrn ihrer Arbeit nachgehen. Auch die “Dankbarkeit” der Mitarbeiter gegenüber den Meudalherren ist - angesichts der drohenden Arbeitslosigkeit - regelmäßig hoch.
Rein wirtschaftlich gesehen denkt man gewöhnlich, dass ja alles in bester Ordnung sei, weil der Arbeitnehmer seine Arbeit leistet und der Meudalherr ihn dafür bezahlt. Dass es auch Meinungsverschiedenheiten darüber gibt, ob eine Bezahlung angemessen ist oder umgekehrt, ob der Mitarbeiter das leistet, was erwartet wird, ist keine Frage. Das soll hier aber nicht Thema sein. Ich will auf einen ganz anderen Gedanken hinaus:
In all den Unternehmen, die hier zur Diskussion stehen, verrichten die Mitarbeiter doch keine Arbeit, deren Ergebnis (ein Produkt oder eine Dienstleistung) der Meudalherr für seinen eigenen privaten Konsum braucht. Vielmehr dient die Arbeit dieser Mitarbeiter doch stets einer großen Zahl außenstehender Konsumenten - wenn auch vielleicht noch Zwischenhändler oder weitere Produzenten dazwischen liegen. Wenn z. B. Mitarbeiter von Aldi ihrer Arbeit nachgehen, so kommt diese Arbeit den Konsumenten zugute, die bei Aldi einkaufen gehen. Würden die Aldi-Mitarbeiter ihre Arbeit niederlegen, würde kein Kunde mehr dort einkaufen gehen (können) und folglich auch kein Kunde sein Geld bei Aldi ausgeben (können). In den Kassen von Aldi würde das Geld fehlen, mit denen u. U. die Mitarbeiter von Aldi für ihre Arbeit bezahlt werden. Man kann also doch mit Fug und Recht behaupten, dass wirtschaftlich gesehen die Kunden von Aldi die Mitarbeiter von Aldi bezahlen, selbst wenn das Geld dafür erstmal durch die Kassen des Herrn gehen. Bei allen anderen Unternehmen ist das natürlich genauso.
Wie sehr dieser wirtschaftliche Zusammenhang zutrifft, zeigt sich besonders augenfällig bei Einstellungen und Entlassungen. Wenn das Unternehmen immer erfolgreicher wird und immer höhere Umsätze macht, so dass die Unternehmensleitung das Unternehmen wachsen lassen will, dann werden weitere Arbeitnehmer eingestellt. “Umsätze” sind bekanntlich die Gelder, die die Kunden des Unternehmens bezahlen. Sinken dagegen die Umsätze, dann wird bald die “Kostenbremse” gezogen und Mitarbeiter werden entlassen. Der wirtschaftliche Zusammenhang zwischen der Arbeitsleistung der Mitarbeiter und der Bezahlung durch die Kunden des Unternehmens ist unbestreitbar.
Hieran erkennt man weiter, dass nicht der Meudalherr “Arbeitsplätze” schafft, sondern die Mitarbeiter. Sie sind die wirtschaftliche Ursache für den Erfolg und ggf. der Expansion des Unternehmens. Dem Meudalherrn wird das alles allenfalls rechtlich (eigentumsrechtlich und schuldrechtlich) zugeordnet; er gilt arbeitsrechtlich als der “Arbeitgeber”.
Wenn also regelmäßig in der Öffentlichkeit heißt, “N. N. hat 30.000 Arbeitsplätze geschaffen”, kann man genauso gut behaupten, “N. N. hat 30.000 Lakaien, die für den Wohlstand ihres Meudalherrn malochen”. Wie hoch dieser Wohlstand ist, sehen Sie anhand der Stundenlohnberechnungen.
Nun frage ich Sie allen Ernstes: Was ist hier - rein wirtschaftlich gesehen - der Unterschied zum Feudalismus der früheren Jahrhunderte. Bei allen Unterschieden, die es von Zeit zu Zeit und von Ort zu Ort gab: Damals war ein Feudalherr - rechtlich so geregelt! - Herr über ein bestimmte Gebiet (eine Grafschaft, ein Herzogtum oder wie man es auch immer nannte) und über die darin lebende Bevölkerung. Diese arbeitete - natürlich, um selbst zu überleben oder gar ein angenehmeres Leben zu erlangen. Durch die - rechtlich geregelten - Abgaben an den Feudalherrn arbeitete die Bevölkerung aber auch für diesen und für dessen Wohlstand. Wenn solch ein Gebiet 30.000 oder 50.000 Seelen umfasste, war das schon eine ganz beachtliches Hoheitsgebiet. Die Feudalherren wurden zum Teil schneller reich als es die Bevölkerung bemerkte, nicht durch eigene Arbeit, sondern durch die Arbeit ihrer Untertanen. Der Rechtsordnung hatten die Feudalherren es zu verdanken, dass ihnen dieser Reichtum “als rechtmäßig” zugeordnet wurde. Was ist heute anders, frage ich Sie! Das Schema-F ist das heute gleiche wie damals. Viele Tausende arbeiten für das Wohlergehen eines Herren, und die Rechtsordnung sichert das alles ab.
Allerdings sind nicht nur hohe Mitarbeiterzahlen in “Familien”Unternehmen ein Beleg für den modernen Feudalismus. Jede Form von gewinnbringendem Vermögen - also Unternehmenseigentum, Miet- und Pachtverhältnisse und Darlehensverbindlichkeiten - hat den Hang zum modernen Feudalismus: Bei Pachtverhältnissen kennt man das ja schon aus früheren Zeiten. Aber auch ein Darlehensnehmer, der monatlich mittelbar oder unmittelbar 100,- € Zinsen in die Taschen eines Meudalherrn zahlt, hat die gleiche wirtschaftliche Wirkung wie ein Mitarbeiter im Unternehmen eines Meudalherrn, der diesem 100,- € im Monat Unternehmensgewinn beschert. (Für 100,- € Zinsen im Monat braucht der Meudalherr gerade mal 8.000 € bis 25.000 € verliehen zu haben; bei 100.000 Darlehen dieser Art {= 100.000 Darlehensnehmer} sind das 10.000.000 € Zinsen im Monat - vgl. [Fakten/Stundenlöhne] “Die Vermögen und ‘Stundenlöhne’ der reichsten Deutschen”).
DAS ist der moderne Feudalismus - in Deutschland und (wie Jean Ziegler, Das Imperium der Schade, 2005, zutreffend schreibt) in der Welt.
2. Hier nur also die Tabelle der Untertanen:
Die Zahlen sind in Wirklichkeit oft höher, weil hier nicht allen Eigentumsverhältnissen nachgegangen werden kann. (Wie Sie sehen, ist die Tabelle äußerst unvollständig. Sie soll so schnell wie möglich vervollständigt werden.)
In diesem Chatfenster können Sie mit anderen anwesenden Lesern chatten. Vielleicht ist auch Dr. Wo anwesend. Sie werden automatisch binnen etwa 30 Sekunden mit dem Nicknamen “Anon????” angemeldet. Sie können Ihren Nicknamen unten rechts ändern. (Wenn Sie auf eine andere Seite von www.meudalismus.dr-wo.de wechseln, werden Sie ausgeloggt und wieder neu eingeloggt.)
Zeigen Sie Flagge mit einem T- oder Polo-Shirt und passendem Spruch!