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Kinderarmut in Deutschland

Nicht Armut an Kindern, sondern Armut von Kindern

(2007)

von Harald Wozniewski

Die Meldungen in dem Medien über Kinderarmut in Deutschland häufen sich von Jahr zu Jahr. Lesen Sie nur mal die Nachrichten über Kinderarmut der letzten Woche:

Wie kommt es in einem reichen Land wie Deutschland zu Kinderarmut? Die dümmlichste Antwort, die ich hierzu je gehört habe, ist, die Eltern würden ihre Kinder vernachlässigen. (Familienrichter/innen vertreten gelegentlich die Meinung, dass Kinder in Trennungsfamilien wegen der Weigerung der Väter, Unterhalt zu bezahlen, in die Armut rutschten!) Ebenso gut könnte man behaupten, diese Kinder würden einer Prüfung (oder Strafe?) Gottes unterzogen. Nein, mit primitiven Antworten wollen wir uns hier nicht abgeben.

Hier ist auch nicht der Ort, um sich über den Begriff von “Armut” zu streiten, um dann - je nach eigenem Gutdünken - Kinderarmut zu bestätigen oderReicher Mann und armer Mann ... zu leugnen. Arm und reich ist ein Begriffspaar, wo der eine Begriff nicht ohne den anderen zu denken ist. Wenn es Reichtum gibt, gibt es auch Armut. Gibt es keinen Reichtum, gibt es auch keine Armut; wir hätten nicht einmal diese Worte erfunden oder gelernt.

Kinderarmut ist kein Phänomen, dass losgelöst von Armut überhaupt in Erscheinung treten könnte. Kinderarmut ist nur dort zu vorzufinden, wo auch Erwachsene in Armut leben. Jedoch ist die Wahrnehmung der Armut von Erwachsenen eine andere (eine viel gedämpftere) als die Wahrnehmung von Kinderarmut. Man wirft einem Erwachsenen leicht vor, er sei an seiner Armut ja “selbst schuld”, und wendet den Blick ab. Bei Kindern ist man da - vorbehaltlich rassistischer Einstellungen - schon etwas sensibler. Dennoch ohne Armut im Allgemeinen gibt es auch keine Kinderarmut.

Wie ich oben betont habe, kann man sich von Armut nur ein Bild machen, wenn man auch den Reichtum sieht. Reichtum von Kindern? Ja, das gibt es auch. Schauen Sie mal in Zeile 35 meiner Tabelle “Die Vermögen und ‘Stundenlöhne’ der 100 reichsten Deutschen 2001” unter http://www.meudalismus.dr-wo.de/html/stundenloehne2001.htm. Dort sehen Sie den vom manager-magazin ermittelten Vermögenswert der reichsten fünf Kinder Deutschlands (damals waren es meines Wissens noch Kinder) K., G., A., C. und P. Quandt: 2,5 Milliarden Euro. Dass dieser Reichtum nicht bei den Kindern selbst, sondern bei deren Eltern “entstanden” war, ist wohl ebenso klar, wie die Tatsache, dass Armut von Kindern nicht bei ihnen selbst entsteht, sondern bei ihren Eltern.

Nun, aus Kindern werden Erwachsene. Und zynisch könnte man meinen, dass sich damit das Problem “Kinderarmut” ja ganz von alleine lösen würde - wäre da nicht die “unbequeme” Tatsache, dass immer mehr der Neugeborenen in die wachsende Armut in Deutschland hineinfallen.

Kinderarmut ist nicht für sich alleine behebbar. Unser Land würde sich aber ganz leicht von Kinderarmut befreien können, wenn unser Land bereit wäre, sich von Erwachsenenarmut zu befreien.

Wie das nur gehen kann, das beschreiben die anderen Schriften hier auf diesen Internetseiten. Ich verweise dazu nur einmal auf den kurzen Rundgang .

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