English Version

 

Meudalismus
Das Buch

blank
Share |

Gesellschaftskritik im Buch

Wo Arme und Reiche zusammenkommen

Von sj (ka-news.de)

Karlsruhe - Die Schlagzeilen beherrschen tagtäglich die Medien: Die Schere zwischen “arm” und “reich” gehe immer weiter auseinander, sagen Fachleute. Rund 400.000 Mitbürger können nicht mehr von ihrem Arbeitslohn leben. Weshalb viele Sozialpolitiker derzeit einen gesetzlichen Mindestlohn fordern. Der Karlsruher Rechtsanwalt Harald Wozniewski beschäftigt sich schon seit einigen Jahren mit Geldmittelflüssen. Angefangen hatte er mit Statistiken zu “den hundert reichsten Deutschen”, wie sie etwa das “Manager-Magazin” oder “Forbes” regelmäßig veröffentlichen. Jetzt hat Wozniewski ein Buch vorgelegt mit dem Titel: “Wie der Nil in der Wüste”.

Die zwei reichsten Deutschen sind die Gebrüder Albrecht: ausgerechnet zwei alte Männer, die breiten Bevölkerungsschichten kostengünstig zum Einkauf von Lebensmitteln verhelfen. Die Gebrüder Theo und Karl Albrecht sind Besitzer von “ALDI Nord” und “ALDI Süd”. Auch aus Karlsruhe gibt es vergleichbare Beispiele. Er galt einst als einer der “großen alten Männer des deutschen Einzelhandels”, schrieb kürzlich ein renommiertes Wirtschaftsmagazin, und als einer der reichsten dazu. Gemeint ist Hugo Mann aus Karlsruhe, einst Inhaber der Ketten “Wert-Kauf” (später Wal-Mart) und “Möbel-Mann”. Mann nimmt derzeit Platz 58 unter den 100 reichsten Deutschen ein. Jemand, der in einem 40-jährigen Arbeitsleben so reich werden wollte wie Hugo Mann, müsste etwa 49.000 Euro in der Stunde verdienen. Sagt Harald Wozniewski, der entsprechende Modellrechnungen erstellt hat.

Moderner Feudalismus - Situation wie vor der Französischen Revolution?

Doch ihm geht es nicht in erster Linie darum, aufzuzeigen, wer zu den reichsten Menschen im Land gehört. Wozniewski möchte darlegen, warum sich die Schere in den letzten Jahrzehnten immer weiter auseinander entwickelt hat. Sein Buch hat er den “von Armut geplagten Menschen in Deutschland und der Welt” gewidmet. Der Spezialist für Bank- und Börsenwesen, Kapitalanlagen und Erbrecht sieht die umgerechneten Stundenlöhne der 100 reichsten Deutschen als “konsequente Fortsetzung seiner Auseinandersetzung mit modernen Kapitalstrukturen”. Schon seit Ende der 90er Jahre befasst sich der in der Finanzmetropole Frankfurt geborene Rechtsanwalt mit dem von ihm so bezeichneten “Modernen Feudalismus”. Immer deutlicher, so sagt Wozniewski, werde das Auseinanderdriften zwischen Arm und Reich in unserer Gesellschaft - die Situation hält er für vergleichbar mit der Zeit vor der Französischen Revolution.

“Im ökonomischen Sinne haben wir heute die gleichen Feudalstrukturen wie vor 1789”, sagt der promovierte Jurist, “mit dem Unterschied, dass die modernen Feudalherren nicht mehr in einem bestimmten territorialen Gebiet festzumachen sind.” Geld- und Kapitalströme seien im In- und Ausland verstreut, “und die Öffentlichkeit nimmt davon gar nichts wahr”, so Wozniewski, der auch glaubt, “dass man früher noch erkennen konnte, wo sich die Residenz befindet”. Sein 208 Seiten umfassendes Buch, das er - als “gesellschaftskritische Studie” - selbst in dem Norderstedter Verlag “Books on Demand” (BoD) verlegt hat, handelt einerseits von leeren Gesundheits- und Rentenkassen, hoher Arbeitslosigkeit sowie wachsender Staatsverschuldung, auf der anderen Seite von Politik und Wirtschaft, die nur kurzfristige Reparaturen und Scheinlösungen bieten würden, sagt Wozniewski.

In seinem Vorwort schreibt er selbst: “Gehören sie zur Mittelschicht? Wahrscheinlich nicht. Denn nach meinen Recherchen ist die so genannte Mittelschicht in Deutschland so gut wie ausgestorben. Aber Sie können das ja einmal ganz leicht selbst überprüfen. Wenn Sie zur Mittelschicht gehören, dann verfügen Sie unter anderem über eine mittlere Kaufkraft. Kaufkraft ist nichts anderes als Geld. Da man unter Geld unterschiedliche Dinge verstehen kann und da unsere Überprüfung anders nicht möglich wäre, möchte ich unter Geld nur das verstehen, was die Deutsche Bundesbank als Geldmenge M1 definiert. Bei der Geldmenge M1 handelt es sich vereinfacht gesagt um das sich im Umlauf befindliche Bargeld (die Kassenbestände der Kreditinstitute sind also nicht mitgezählt) und um die Guthaben auf den Girokonten.”

Es gibt keine Mittelschicht - nur viele Verlierer und wenige Gewinner

Wozniewski, der sich immer wieder auf den Vater der Sozialen Marktwirtschaft und des Nachkriegswirtschaftswunders, Ludwig Erhard, beruft, beziffert die durchschnittliche Kaufkraft pro Haushalt mit 23.347 Euro. Bei diesem Betrag handele es sich also nicht um ein Monats- oder Jahreseinkommen, sondern um das in dieser Sekunde zur Verfügung stehende Geld. Wenn der Einzelne (wie etwa 95 Prozent der Bevölkerung in Deutschland) weniger als diesen Betrag hat, dann gehöre er zu den Verlierern in dieser Gesellschaft, sagt der Autor. Wer mehr hat, gehöre zu den Gewinnern. In Anlehnung an eine gängige Definition zähle man zu den Armen in Deutschland, wenn der Einzel-Haushalt im Monatsdurchschnitt weniger als 12.000 Euro Bargeld habe.

Harald Wozniewski schildere unsere Welt so, dass sie unzählige Menschen wiedererkennen würden in ihrem ganz persönlichen Dasein. Aber sein Weltbild sei “völlig anders, als es uns von Medien, Verbandsfunktionären, Politikern, Wissenschaftlern - kurz: von unseren Eliten - dargestellt werde. Daher werde der Autor es bei ihnen schwer haben. Das ist die Meinung von Fritz G. Goergen, einst FDP-Bundesgeschäftsführer und später hochrangiger FDP-Berater, in einer Buchkritik zu Wozniewskis Werk. Mit den Kartell-Gesetzen hätte Ludwig Erhard die Ansammlung von wirtschaftlichen Vermögenswerten in nur wenigen Händen (Monopole) verhindern wollen. Kartell-Gesetze seien faktisch Vermögensbeschränkungen. Das sei Wozniewskis Therapie, so Goergen. Über seine Thesen hat sich der Karlsruher Rechtsanwalt auch schon anderweitig mit illustren Kreisen auseinandergesetzt. Beispielsweise war er vor einiger Zeit zu Besuch bei Edzard Reuter, dem früheren Daimler-Konzernchef - in dessen Stuttgarter Büro.

Nur die Beschränkung von großen inländischen, gewinnbringenden Vermögen bei natürlichen Personen könne erstens den “Meudalismus” beseitigen und zweitens die Konjunktur wieder heilen. Die Beschränkung dieser Vermögen werde das stetige Auseinanderdriften von Arm und Reich stoppen und sogar umkehren. Sie werde außerdem erheblich zur Wiederbelebung der Konjunktur beitragen, ist sich Wozniewski sicher. Und gerade um die Weihnachtszeit herum hat Harald Wozniewski einmal mehr beobachtet, “dass immer mehr Menschen immer weniger Einkommen haben”. Wozniewski: “Dass das Gros der Menschen in Deutschland immer weniger Geld zur Verfügung hat, zeigt sich nicht zuletzt an dem Boom, den Billigläden wie Aldi, WalMart, Ikea und Mc Donald's derzeit erleben. Die meisten Leute meinen leider, auf diese Weise sparen zu können.” Da scheint sich der Kreis zu schließen: An Weihnachten kommen gewissermaßen Arm und Reich zusammen. Wen wundert es da, dass gerade die Gebrüder Theo und Karl Albrecht zu den reichsten Deutschen gehören.


Sie sind Journalist und möchten über das Buch schreiben?
Für Ihre journalistische Arbeit können Sie bei BoD online kostenlose Rezensionsexemplare bestellen http://www.bod.de/index.php?id=272

Google-Suche in www.meudalismus.dr-wo.de (mit Werbeanzeigen)

Loading

DEN DEUTSCHEN MEUDALHERREN

Mittelschicht?
Der Farbbalken
unten zeigt die
Gesellschafts-
schichten anhand
der aktuellen
Zahlen zu M1.
Weitere Infos
       
Zur Erläuterung anklicken!
Aktuelle Zahlen (Dezember 2016):
Geldmengen pro Haushalt /
 Veränderung p.a.:

Bar: 6.084,15 €
Sichteinlagen (Girokonto, Tagesgeld)
  : 46.904,99 €
M1: 52.989,14 € / +7,5%
Spareinlagen, Festgeld
  : 20.764,21 €
M2: 73.753,35 € /  +5,3%
M3: 74.764,90 € /  +5,2%
Vermögen & “Stundenlohn”
des reichsten Deutschen:

17,10 Mrd. € / 479.045 €
Die 60 DM Kopfgeld 1948
entsprechen heute:

 8.837,23 €
Der Monatslohn, um heute die Kaufkraft
der 60 DM von damals zu erhalten:

17.674,47 €
Der Bruttostundenlohn aller 
Arbeiter vom Dez. 1948
entspricht heute:
166,43 €
Geldumlaufgeschwindigkeit:
sinkt 2016 dramatisch auf 1,43
(1981 noch 6,56)
Aktuelle Themen:
Krisenpolitik - eine unendliche Geschichte
Elmar Weixlbaumer, Billionaires Club
 

50 Jahre nach
Ludwig Erhard
»Wohlstand für Alle«:


*Dr. Jürgen Borchert, Vorsitzender Richter am Hessischen Landessozialgericht
Weitere Infos

 


Die Bücher sind vergriffen.
Sie erhalten sie als
PDF-Datei geschenkt:


Wie der Nil in der Wüste
2007 und 2009 als PDF
 
PDF

Was auch Sie tun können!

Sie möchten auf dem Laufenden bleiben?
feudalismus-e-group
twitter.com/DrWo
Facebook: Meudalismus

 XING: Meudalismus

Stimmen Sie ab auf der Internetseite der Bundeskanzlerin!

Zeigen Sie Flagge
mit einem T- oder Polo-Shirt und passendem Spruch!

Zum Vergrößern anklicken!Zum Vergrößern anklicken!
*Damit läuft Dr. Wo in Karlsruhe herum.

Sie erhalten das “Shirt” schon mit vorbereitetem Text u. a. bei
www.shirtway.de
www.shirtpainter.com
 

Vorsicht Satire!

“Der Feudalismus von heute ist ein Feudalismus mit menschlichem Gesicht.”


Der Aufschwung ist da!


“Die richtigen Fragen

Die Anstalt vom 05.04.2016 fast nur der Kritik am modernen Feudalismus gewidmet: http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/2678346/Die-Anstalt-vom-5-April-2016?flash=off