Wie der Nil in der Wüste02.03.2010
Wie der Nil in der Wüste
Ein Wortbild, das am besten die Umverteilung des Geldes von armen Menschen zu immer reicher werdenden Vermögenden beschreibt. Wozniewski zeigt anhand von Beispielen, wie eine anfangs gleiche Menge Geldes durch kapitalistische Wirtschaftsform innerhalb von vier Jahrzehnten zu rund zehn Prozent der Bevölkerung wandert. Das geht auf Kosten der Masse, sodass ein Mittelstand heute in Wirklichkeit nicht mehr existiert. Der Autor vergleicht diesen Vorgang mit dem Spiel Monopoly. Hat man einmal die Schlossstraße und das Parkhotel erstanden, kann man gar nicht mehr anders, als reich zu werden. Das Geld vermehrt sich auch ohne produktiver körperlicher Arbeit. Wie das Spiel selbst endet somit kapitalistisches Wirtschaften im Konkurs der Masse zugunsten einer Handvoll Profiteure. Der Crash ist also vorprogrammiert. Nicht die Basisinnovationen der Kondratieffzyklen sind also Auslöser eines neuen Wirtschaftswachstums, sondern der (natürliche) zyklische Zusammenbruch des Nils. Die Lösung bietet Wozniewski, indem man Regeln dem kapitalistischen Wirtschaften auferlegt. Man könne das mit dem Spiel Monopoly ebenfalls im Kleinen probieren: Man lege einfach eine Obergrenze des Vermögens der Spieler fest. Was drüber hinaus eingenommen wird, muss den anderen Spielern verfügbar gemacht werden. Das “Dumme” daran ist, dass man dann unendlich lange spielen kann, ohne dass es Verlierer und Gewinner gibt.
Der 1959 geborene Autor ist selbständiger Rechtsanwalt für Bank-, Kapital- und Insolvenzrecht. Er sagt, dass die Zeichen auf Sturm für den Wirtschaftsliberalismus stehen und wir “Gefangene unseres Denkens” sind. Selbst Kleinkredite würden ebenfalls nur das feudale System aufrecht erhalten. Wozniewski bezeichnet diesen modernen Feudalismus als “Meudalismus”. Ein Buch, das auf packende Weise die Mechanismen einer ungeregelten Finanzwirtschaft offen legt. Wer sich immer schon die Frage gestellt hat, warum das Geld einfach nicht reicht, obwohl so viel Geld wie nie zuvor in Umlauf ist, darf sich von diesem Buch desillusionieren lassen.
Harald Wozniewski: Wie der Nil in der Wüste. Der moderne Feudalismus in Deutschland - Meudalismus. Eine gesellschaftskritische Studie. BoD 2007, 208 Seiten, broschiert.
Harald Wozniewski: Wie der Nil in de Wüste. Der moderne Feudalismus in Deutschland - Meudalismus (Ergänzungsband 2009). BoD 2009, 77 Seiten, broschiert. [Der Ergänzungsband ist nur nach Lektüre des ersten Buches verständlich und geht auf die Wirtschaftskrise näher ein.]
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| Die Frage stellt sich nicht, denn es gibt keinen Meudalismus. td> |
| Die Frage stellt sich nicht, denn die Politiker gehen gegen den Meudalismus vor. |
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“Der Feudalismus von heute ist ein Feudalismus mit menschlichem Gesicht.”
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