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Buchtipp: Wie der Nil in der Wüste

Von Johannes Hucke

Harald Wozniewski las aus seiner wirtschaftskritischen Studie im „Bären“ in Ottenhausen

Straubenhardt-Ottenhausen, 14.12.2007. Sein Thema „berührt die Grundfesten der Demokratie.“ Harald Wozniewski, Doktor der Rechte mit Schwerpunkt Kapitalanlage- und Bankrecht, geht dem aktuell wieder vermehrt diskutierten, folgenreichen Phänomen der „Einkommenskonzentration an der Spitze“ nach. Eine zunehmende „Lähmung der Konjunktur durch Kapitalkonzentration“ auf einige Wenige – Wozniewski nennt sie die „Meudalisten“, hergeleitet von „moderner Feudalismus“ – bedroht die gesamte Volkswirtschaft. Verblüffende Einsichten, eisige Analysen durchziehen sein von heißen Fakten geradezu überquellendes Werk.

Ist das nicht ein Thema für Spezialisten? Wieso lädt Heiderose Manthey, Gründerin des jugendhilfeorientierten Vereins „Arche“, ausgerechnet diesen originellen, dabei immer um Klarheit bemühten Diagnostiker und Wirtschaftstherapeuten in den Ottenhausener „Bären“ ein, im Umkreis bekannt durch das jahrelange Engagement von Irmgard Reister für Kinder und Jugendliche? Ganz einfach: um Ursache und Wirkung, Aktion und Reaktion, Theorie und Praxis zusammenzubringen. Und Wozniewskis präzise, unaufgeregte Art der Vermittlung erleichtert seinem Publikum das Verständnis.

Es sind ganz schlicht benannte, bezifferte Tatsachen, die Wozniewskis „Wie der Nil in der Wüste“ so aufregend machen. Bei 914,7 Milliarden € zurzeit vorhandener Geldmenge müsste – gäbe es noch eine Mittelschicht – jeder Haushalt 23.347 € zur Verfügung haben. Diesen Vorzug jedoch genießen nur die Wenigsten. Warum? Weil Leute wie Karl Albrecht (Aldi Süd) einen umgerechneten Stundenlohn von € 451.031 einstreichen. Weil die 500 mächtigsten transkontinentalen Konzerne 52 % aller weltweit vorhandenen Güter kontrollieren...

Erbarmungslos reiht der 1959 in Frankfurt Geborene, derzeit in Karlsruhe beheimatete Experte Horrorzahl an Horrorzahl aneinander. Es sind nicht mehr die Zeiten, da ein Auditorium empört aufspränge. Aber eine Atmosphäre konzentrierten Zuhörens, zustimmenden Verstehens bestimmt die Lesung im Bären. Als nach 10 zusammenfassenden Thesen, die auf eine Forderung nach Beschränkung der auf eine natürliche Person akkumulierten Vermögen hinauslaufen, die Frage auftaucht, wie lange es noch dauern werde, bis wirtschaftliche Not in Krawalle umschlägt, prognostiziert Harald Wozniewski 5-10 Jahre. Schließlich ergreift ein Abgesandter des „Sozialforums Pforzheim“ das Wort. Es wird deutlich: eine Region ist langsam dabei zu begreifen, dass der Tendenz zur immer krasseren Kluft zwischen den Gehältern entgegengewirkt werden muss. Und zwar ab sofort und auf jegliche – friedliche – Weise.


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