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Meudalismus
Modelle

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Einsamer Reichtum basiert auf der Verarmung der Bevölkerung
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Gemeinsamer Reichtum basiert auf der Beschränkung der Reichen

Ein einfaches volkswirtschaftliches Model in einer Excel-Tabelle zeigt den wesentlichen Grund für den langfristigen Konjunkturzusammenbruch und beweist den “kleinen” Fehler in unserer Wirtschaftsverfassung

(2004)

von
Harald Wozniewski

Reicher Mann und armer Mann ...

Die Kompliziertheit unserer Volkswirtschaft macht es sicher nicht leicht, die wesentlichen Ursachen der seit Jahren andauernden Krise von den unwesentlichen zu trennen (schaut man auf die Arbeitslosigkeit, dauert die Krise schon Jahrzehnte). Insbesondere werden ständig Zusammenhänge, Argumente und Lösungen propagiert, die betriebswirtschaftlich gesehen völlig korrekt sind, die aber volkswirtschaftlich allenfalls katastrophale Folgen haben. Aber nicht der Betriebswirt hat für eine gesunde Volkswirtschaft zu sorgen, sondern der Staat!

(Leider wird der Staat an den meisten Stellen auch von den Reichen gelenkt, angefangen bei der FDP bis hin in die großen “Volksparteien”. Die Kompliziertheit einerseits und die Plausibilität von Argumenten aus betriebswirtschaftlicher Sicht machen es den Reichen leider sehr leicht, Verwirrung anzustiften und von den wahren Ursachen der Krise abzulenken - natürlich zu deren Vorteil.)

Auch wenn unsere Volkswirtschaft sehr kompliziert ist, so hat sie doch eine Eigenschaft, die vieles vereinfacht: unsere Volkswirtschaft ist eine Geldwirtschaft. Das bedeutet - wie jeder es selbstverständlich weiß -, dass alle Güter im volkswirtschaftlichen Sinne (also alle Waren, Dienstleistungen, ja sogar das zeitweilige Überlassen von Mietobjekten und von Geld selbst usw.) mit Geld bezahlt werden. Geld wird deshalb gelegentlich auch als “Transmissionsriemen” der Güterwirtschaft bezeichnet. Außer bei Schenkungen werden Güter stets gegen Geld “getauscht”.

Ich stelle die folgende Untersuchung mittels zweier Excel-Tabellen an.

Die Excel-Tabelle erhalten Sie hier
http://www.meudalismus.dr-wo.de/volkswirtschaft.xls (ca. 2,3 MB).

In der ersten Tabelle verlasse ich die Güterseite unserer Volkswirtschaft und betrachte nur noch die Geldseite. In der zweiten Tabelle betrachte ich die Folgen der Geldseite für den in Vermögenswerten gemessenen Wohlstand der Bevölkerung.

1. Tabelle Geldseite

Tabellenbeschreibung

Diese Tabelle beschreibt modellhaft eine sehr vereinfachte Volkswirtschaft. Untersucht wird der Verlauf der Konjunktur über 40 Jahre (gelbe Spalten) unter der Prämisse, dass ein Teil der Marktteilnehmer reicher wird als die anderen.

Betrachtet wird allein die Geldseite der Volkswirtschaft. Die Güterseite wird - spiegelbildlich zu der Tabelle hier - in der nächsten Tabelle betrachtet.

Das Kreditwesen ist ansatzweise integriert; man hätte die Beobachtungen (unten) aber auch ohne Kreditwesen machen können.

Das Modell hat folgende Merkmale:
  • Diese Volkswirtschaft besteht aus (nur) 10 Marktteilnehmern.
    Das Geld ist Bargeld. Giralgeld (Bankgeld) existiert nicht.
    Die Summe des Geldes bleibt konstant. (Würde sich die Geldmenge erhöhen, würde sich an den Zahlenverhältnissen nichts ändern. Allerdings wäre der Blick auf das Wesentliche erschwert.)
  • Zu Beginn verfügen alle Teilnehmer über 1.000,00 €. Alle tätigen anfangs Ausgaben von 100,00 € monatlich.
  • Die Ausgaben sind stets die Einnahmen der anderen. Die Summe aller Einnahmen ist also gleich der Summe aller Ausgaben.
  • Die Einnahmen der Teilnehmer 1 bis 8 betragen 4% bis 11% der Gesamteinnahmen. Die Teilnehmer 9 und 10 teilen sich die restlichen Einnahmen im Verhältnis 1:2.
  • Die Teilnehmer 1 bis 7 können bei den Teilnehmern 9 und 10 Darlehen aufnehmen, jedoch nur knapp über 1.000,00 €. Sie nehmen Kredite auf, soweit ihre Einnahmen ihre Ausgaben nicht decken. Die Teilnehmer 9 und 10 teilen sich die Kreditvergabe im Verhältnis ihrer Bargeldbestände (Feld AS3). Teilnehmer 9 vergibt jedoch keine Kredite, wenn er nur noch weniger als 1.000,00 € verfügbar hat; Teilnehmer 10 vergibt dann entsprechend mehr Kredite.
  • Ist bei den Teilnehmern 1 bis 8 das Kreditlimit von 1.000,00 € erreicht oder überschritten, reduzieren sich die Ausgaben auf die Höhe der Einnahmen des Vormonats (Feld D37). Bei Teilnehmer 9 ist das der Fall, wenn seine Einnahmen des Vormonats unter 100,00 € sinken.
  • Zinsen sind nicht ausgewiesen oder berechnet. Sie kann man sich als Teil der Ausgaben (Kreditnehmer) bzw. Einnahmen (Kreditgeber) vorstellen.

Beobachtung und Feststellungen

  1. Da bei einem Teil der Teilnehmer die Ausgaben höher sind als die Einnahmen, ist deren Guthaben an Bargeld und deren Kredit irgendwann aufgebraucht, so dass sie zwangsläufig ihre Ausgaben auf die Höhe ihrer Einnahmen senken müssen. Folglich sinkt die Konjunktur. Sie ist als die Summe aller Einnahmen bzw. Ausgaben ausgewiesen (Spalten BA und BB).
  2. Die Summen von Einnahmen und Ausgaben sind stets gleich (das könnte man als Axiom bezeichnen).
  3. Daher ist die Zahlungsbilanz (das Verhältnis von Einnahmen zu Ausgaben) eines Teils der Teilnehmer immer negativ, wenn die der anderen positiv ist. Vereinfacht gesagt: Der Gewinn des Einen ist der Verlust des Anderen.
  4. Es können niemals gleichzeitig alle Teilnehmer mehr Einnahmen als Ausgaben haben. M. a. W.: Es können (bezogen auf Geld und Einkommen) nicht gleichzeitig Alle reicher werden.
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  5. Bezogen auf Geld und Einkommen kann ein Teilnehmer nur reicher werden, wenn ein anderer ärmer wird, also wenn ein anderer mehr ausgibt als er einnimmt.
  6. Mit den eingestellten Eckdaten fällt die Konjunktur (Spalten BA und BB) innerhalb von Jahren 13 1/2 von 100% auf 37,5% (Felder BA164, BB164).
  7. Die Konjunktur fällt, sobald Teilnehmer ihre Kreditlinie ausgeschöpft haben und daher zwangsläufig ihre Ausgaben reduzieren müssen.
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  8. Aus 7 folgt: Die Konjunktur kann sich nur beleben, wenn die Einnahmen der verarmten Teilnehmer über deren Ausgaben steigen.
  9. Aus 2 und 8 folgt: Die Konjunktur kann sich nur beleben, wenn die Einnahmen der Reichen unter deren Ausgaben sinken.
  10. Ohne das Kreditwesen wäre die Konjunktur bereits früher geschrumpft. M. a. W. Kredtigewährung sorgt - vorübergehend - für mehr Konjunktur.
  11. Aus 7 folgt: Auf Dauer kann das Kreditwesen den Zusammenbruch der Konjunktur nicht verhindern, da es den Teilnehmern nicht unbeschränkt Kredit gewährt.
  12. Kredittilgung (hier nicht implementiert) sorgt für zusätzlichen Schwund der Konjunktur (Umkehrung von 10).
  13. Das Geld der Volkswirtschaft sammelt sich zwangsläufig bei dem Reichen an, solange seine Einnahmen höher sind als seine Ausgaben.
  14. Würde man zusätzliches Geld schaffen, würde auch dieses sich früher oder später bei dem Reichen ansammeln. Eine dauerhaft stabile Konjunktur ist mit Geldschöpfung nicht erreichbar.
  15. Mit den eingestellten Parametern beträgt das Inlandsprodukt ab Juni 2013 nur noch 375 €. Hieran sind allein die Teilnehmer 9 und 10 zu 40% beteiligt. Wenn man sich vorstellt, das 50 € nur noch zwi-schen Teilnehmer 9 und 10 hin- und herwandern, könnte man sogar behaupten, dass 2 x 50 €, also 100 €, von den 375 € Konjunktur sich nur noch zwischen den Teilnehmern 9 und 10 abspielen. Das sind 26,66% der Konjunktur. Zieht man Teilnehmer 8 hinzu, könnte man sogar behaupten, dass 2 x (41,25 € + 50,00 €) = 182,50 €, mithin über 56% der gesamten Binnenkonjunktur, nur noch im Kreise der (drei) Reichen umherfließen. Ein Großteil des Geldes in der Volkswirtschaft erreicht die breite Bevölkerung (Teilnehmer 1 bis 7) gar nicht mehr, selbst wenn es in Bewegung ist. Rechnet man mit dem gesamten in der Volkswirtschaft vorhandenen Geld, so ist der Teil, der durch die Hände der brei-ten Bevölkerung geht, noch viel kleiner, nämlich nur noch (375 € – 182,50 €)/10.000 € = 1,925 %.
  16. Das Model zeigt schließlich auch, dass es gar keines Genies bedarf, dass jemand so reich wie Aldi wird. In diesem System wird EINER zwangsläufig so reich! Er kann sich gar nicht dagegen wehren.

2. Tabelle Vermögenseite

Tabellenbeschreibung

Diese Tabelle beschreibt sehr vereinfacht und modellhaft die Vermögensentwicklung der Teilnehmer aus der Tabelle “Geldseite”.

Das Modell hat folgende Merkmale
  • Die Bargeldbestände werden von der Tabelle “Geldseite” direkt hierher übernommen.
  • Gleiches geschieht mit den Ausgaben und
  • den Schulden bzw. Kreditforderungen.
  • Ausgaben entsprechen 1 : 1 dem Wert des angeschafften Vermögensgegenstandes.
  • Angeschaffte Vermögensgegenstände sind alle Güter im volkswirtschaftlichen Sinne, auch wenn sie keinen dauerhaften Wert besitzen.
  • Vermögensgegenstände verlieren unterschiedlich schnell an Wert. In der Realität kann ein vollständiger Wertverlust unmittelbar bei der Anschaffung eintreten, er kann aber auch ausbleiben oder sich sogar in einen Wertzuwachs umkehren. Hier wird der Wertverlust in der Spalte “Abschreibungen” dadurch modelliert, dass bis zu 50,00 € der Ausgaben (= Anschaffungswert) sowie 1% des Vermögens des Vormonats abgeschrieben werden. Von letzterem sind die Kreditforderungen ausgenommen (Teilnehmer 9 und 10); es wird also unterstellt, dass die Schuldner ihre Schulden tilgen werden.

Beobachtung und Feststellungen

  1. Die Schere zwischen Arm und Reich geht unaufhaltsam auseinander.
  2. Die Summe aller Vermögen (“Volksvermögen”) steigt zunächst, fällt dann aber bald nach Beginn des Konjunkturrückgangs (Okt 07).
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  3. Wie schon unter der Tabelle Geldseite, Beobachtung Nr. 15, gesehen, darf man auch hier feststellen: Es bedarf in unserem System keines Genies, der einsame Reiche zu werden. EINER wird zwangsläufig mit Abstand der Reichste. Ob der nun Karl Albrecht oder anders heißt, ist reiner Zufall. Dagegen ist es in dem bestehenden System UNMÖGLICH, dass Alle miteinander reich werden.
Sie können mit den Excel-Tabellen frei experimentieren und einmal versuchen, eine dauerhaft stabile Volkswirtschaft, also ohne Konjunktureinbruch, zu erreichen!

3. Tabellen inklusive Bankgeld

Falls Ihnen die Tabellen oben, in denen die Wirtschaft nur mit Bargeld, also ohne Giralgeld simuliert wird, zu unrealistisch oder zu einfach vorkommt, dann dürfen Sie sich auf die folgenden Excel-Tabellen freuen. In ihnen wird über ein Kreditinstitut (also eine Bank oder Sparkasse) Giralgeld verwaltet und - wie in der Realität - “geschöpft”.

Die Excel-Tabellen erhalten Sie hier
http://www.meudalismus.dr-wo.de/volkswirtschaftplus.xls (ca. 2,4 MB).

Diese Tabellen unterscheiden sich von den Tabellen oben außer durch die Existenz von Giralgeld dadurch, dass die Teilnehmer 1 bis 8 Kredite nicht bei den Teilnehmern 9 und 10, sondern bei dem Kreditinstitut nehmen können. Das hierzu anfängliche Geld stammt zunehmend aus den Schatullen der Teilnehmer 9 und 10. Auch die Höhe der Kreditlinie wird in diesen Tabellen genauer kontrolliert und auf das Dreifache des anfänglichen monatlichen Einkommen begrenzt. In der Tabelle Vermögensseite ist zudem der Wertverlust anders berechnet, so dass der Vermögenssaldo eines Teilnehmer (einschließlich der Schulden) auch negativ werden kann. Weitere Einzelheiten zu den Tabellen erfahren Sie in den Kommentaren in den Tabellen.

Die Beobachtungen und Feststellungen gleichen denen oben unter 1 und 2. Ergänzend ist zu nennen, dass das durch die Kreditvergabe geschaffene Giralgeld (vgl. dazu auch “Geld, das man nicht sehen kann”, http://www.bundesbank.de/download/bildung/geld_sec1/geld1_03.pdf) nicht dort in der Volkswirtschaft verbleibt, wo es - “aus der Not heraus” - geschaffen wurde, sondern sich früher oder später bei den Reichen ansammelt. Dies entspricht auch der empirischen Beobachtung (vgl. [Fakten/Einkommen] “Die Einkommensentwicklung steht Kopf”). Man wird daher behaupten dürfen, dass - volkswirtschaftlich gesehen - das Kreditwesen weniger denen dient, die auf Kredite angewiesen sind oder erscheinen, als denen, die die Kredite ursprünglich vergeben (Teilnehmer 9 und 10). Diese Behauptung trifft sogar völlig unabhängig davon zu, ob überhaupt Zinsen im Spiel sind oder nicht! Erst wenn Kredite notleidend werden, kompensiert sich dieser Vorteil wieder.

4. Gemeinsamer Reichtum basiert auf der Beschränkung der Reichen?

Hierzu will ich an dieser Stelle nicht mehr viele Worte machen, sondern verweise nur

 

Leser seit 3.2.2005:

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